Ort: Bad Mündern, Deutschland

Datum: 19.12.2014

Interview von Lena Dorfschmidt

 

Mein Name ist Ekaterina Heindorf. Ich bin in Piräus in Griechenland geboren. Ich bin so ein typisches Mädchen aus Piräus. […] Mein Vater ist 1959 von Griechenland, Piräus […], ausgewandert nach Deutschland und zwar in dieses kleine Bad Münder, weil er gehört hat, dass hier ein Grieche schon wohnte und der bei der Bundesbahn tätig war. Und so ist mein Vater ganz alleine nach Deutschland gekommen, ohne Deutschkentnisse ganz mutig nach Deutschland ausgewandert und hat auch sofort Arbeit gefunden, bei der Deutschen Bundesbahn. 1960 ist meine Mutter mit meiner Zwillingsschwester und mir nachgekommen nach Bad Münder […]. Damals war ich drei Jahre alt.

Wir sind als erste ausländische Kinder […] in [den] deutschen Kindergarten, daher wissen viele ältere Menschen noch von uns, denn das war ja damals eine Sensation […] zwei kleine schwarzhaarige Zwillingsgeschwister in einen Kindergarten. Dort waren wir, wie gesagt, die ersten ausländischen Kinder, die dann sich eigentlich auch ganz wohl gefühlt haben, und sind dann auch hier eingeschult worden in Bad Münder. Meine Eltern haben aber immer drauf sehr viel Wert gelegt, dass wir unsere Heimatsprache nicht verlieren, auch nicht unsere Identität, wo wir her kommen. Das heißt Meine Eltern waren damals schon so vorausschauend, dass sie uns […] auch auf eine griechische Schule nebenbei gegeben haben, das heißt […] wir mussten also als Kinder auch den griechischen Schulabschluss machen.

Hier in Deutschland gab es das damals als wir dann in dem Alter waren, dass wir schulpflichtig waren, weil hier in der Gegend viel Möbelindustrie war, also auch viele Gastarbeiter gefordert wurden, [die] nach und nach eingewandert [sind]. […] Als wir dann schulpflichtig waren, waren dann schon einige mehr da. Und so gab es auch eine griechische Gemeinde, die dafür gesorgt hat, dass wir griechische Lehrer hier hatten und hier […] auch Griechischunterricht erteilt wurde. Meine Eltern haben uns allerdings auf eine Diplomatenschule nach Hannover gegeben, die […] hatten auch einen Griechischlehrer und da mussten wir dann, neben der deutschen Schule – was wir damals ganz schrecklich fanden – noch griechisch pauken und […] auch einen griechischen Schulabschluss machen.

Wir waren natürlich gut integriert, wir waren hier im Spielmannszug, wir waren, ich war im Turnverein, ich habe Kunstturnen gemacht. Wir waren also in verschiedenen Vereinen hier gut integriert und hatten also kaum Anfeindungen, oder hatten überhaupt gar keine Anfeindungen. […]

Meine Eltern waren auch sehr aufgeschlossen, hatten viele deutsche Freunde und […] mein Vater war gewerkschaftlich organisiert, also der hatte sich gewerkschaftlich sehr betätigt, sodass meine Eltern, sich das selber beigebracht haben: Deutsch lesen, Deutsch schreiben, Deutsch sprechen. Das fand ich eine schöne Leistung.

Zu Hause wurde alles durcheinander gesprochen. Wir waren ein ganz offenes Haus, wir sind also ganz viele Deutsche Kinder, und Freund und Verwandte, die waren alle bei uns. So haben […] wir den Leuten auch gezeigt, wie in Griechenland zum Beispiel Ostern gefeiert wurde, so mit griechischen Tänzen auf der Straße und ein Hammel wurde gebraten. […] Das ist damals hier sehr gut angekommen. Wie gesagt […] ich kann also gar nicht sagen, dass ich irgendwelchen Anfeindungen [erlebt hätte].

Meine jüngste Schwester ist her auch in Bad Münder geboren worden. Es war alles sehr erlebnisreich. Durch Schule, Ausbildung […] bin ich zum Beispiel sehr weit gekommen. Ich habe in Hamburg gelebt, ich habe in Grömitz gelebt, ich habe in Berlin gelebt, durch meinen Partner, den ich damals mit 18 Jahren kennen gelernt habe und habe dann Ausbildungen gemacht. Erst als Arzthelferin, dann als Krankenschwester. Dann habe ich mich weitergebildet, als Fachkraft für leitende Aufgaben in der Pflege. Ich bin von meinem ersten Mann geschieden worden. Und mein zweiter Mann, der war Arzt. Den habe ich dann kennen gelernt, der hat dann dieses Altenheim aufgebaut. Der ist mir leider verstorben, sodass ich verwitwet bin. Und bin eigentlich zu meinen alten Wurzeln zurückgekommen, also von Berlin, Hamburg, vielen Städten in denen ich gewohnt habe, bin ich wieder in Bad Münder gelandet.

Und komischerweise, viele Menschen die uns von damals kannten, erkennen uns immer wieder und sagen: „Menschen toll, wir haben noch alte Bilder, wie ihr auf dem Umzugswagen seid, ihr Kleinen…“

Allerdings muss ich sagen, das [nachdem] durch die Möbelindustrie, die hier war, viele Gastarbeiterfamilien hierher gezogen sind, […] viele ausländische Menschen wieder in ihre Heimat zurück gegangen sind und gar nicht mehr so viele hier leben, wie es damals in den 70er Jahren war, [weil die Möbelindustrie in den 80er-Jahren durch Rezession kaputt gegangen ist].

 

Ihre Eltern sind nach Deutschland gekommen, was hat sie dazu gebracht?

Damals waren ja in Griechenland sehr schwierige Umstände. Da war noch die Militärregierung, die Junta, die griechische Militärjunta. Damals schaffte man das griechische Königreich ab. Es gab ja den griechischen König Konstantin, dann gab’s ja einen Putsch. Also Griechenland war damals sehr, sehr schlecht dran, Infrastruktur und überhaupt das Leben sehr schwierig. Und damals hat mein Vater beschossen einen neuen Anfang zu machen und zwar setzte er sich damals mit dem Bruder meiner Mutter zusammen. Der ist nach Argentinien gegangen und mein Vater wollte erst mit nach Argentinien, hat sich aber dann in letzter Sekunde doch entschlossen nach Deutschland zu gehen.

 

Warum Deutschland?

Damals suchte man […] schon Arbeitskräfte in Deutschland und das hat er durch Werbung oder durch Mundpropaganda  gehört. Und Argentinien war für ihn sehr weit weg. Er hat immer gedacht „sind nur dreitausend Kilometer“ und er hatte ja nicht vor ständig in Deutschland zu bleiben. Also er fand die Entfernung näher dran. […]

 

Und ihr Vater ist ohne Deutschkentnisse hier her gekommen?

Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen.

Das hat er sich alles selber durch die Arbeit [beigebracht]. Er war sehr intelligent, mein Vater, der hat sich alles selber beigebracht. Der hat auch zum Schluss auch Zeitung lesen können und wie gesagt, das hat er sich alles selber beigebracht und war wirklich bei der Bundesbahn gewerkschaftlich organisiert. Und meine Mutter genauso, die hat sich das alles durch Freunde selber beigebracht.

Wir Kinder hatten es nicht schwer, wir sind ja in den Kindergarten gekommen. Und dadurch haben meine Eltern natürlich auch gelernt, wenn Kinder kommen und Deutsch sprechen… So haben die sich das beigebracht, obwohl meine Eltern jetzt nicht Hochschulabsolventen waren. Und die haben also wirklich gutes Deutsch gesprochen. Mein Vater ist hier verstorben, sehr früh. […] Der ist nach Griechenland überführt worden. Er hatte einen großen Bekanntenkreis hier. Wir haben also noch eine Andacht gemacht, damit alle Abschied nehmen konnten, und der ist […] auf der Insel Korfu, wo meine Mutter herstammt, beerdigt.

Mein Vater stammt von der Insel Samos. Die haben sich in Piräus kennen gelernt. Die sind ganz abenteuerlich. Mein Vater ist von der Insel Samos [und war in Piräus], weil sein Vater hier ein Geschäft aufgemacht hatte, also hier in Piräus und meine Mutter war zu Besuch bei ihrer Schwester, die in Piräus lebt. So haben die sich kennen gelernt. Aber mein Vater hat keine Verwandtschaft mehr auf Samos, sodass sich das alles bei meiner Mutter, die eine größere Familie hatte, auf der Insel Korfu [gesammelt hat]. Da waren wir als Kinder auch immer im Urlaub.

 

Die Wurzeln sind also immer gepflegt worden.

[Die sind] immer geblieben, auch jetzt. Meine Mutter ist ja dann als mein Vater verstarb nach Griechenland zurück gegangen und dadurch ist immer die Verbindung da. Meine Zwillingsschwester lebt mittlerweile wieder in Griechenland. […] Die lebt in Patras, dadurch haben wir immer Verbindungen. Wir haben eine weit gestreute Familie. Patras, Piräus, Korfu…

 

Hatten ihre Eltern geplant gehabt hier zu bleiben?

[Mein Vater] wollte erst mal schauen, ob er überhaupt die Möglichkeit hat, ob es ihm gefällt in Deutschland, ob er die Arbeit bekommt, die er sich vorgestellt hat. Von daher hat er gesagt: „Ich gehe mal vor und schaue mich um. Du bleibst mit den Kindern erst da und ich hole dich dann nach.“ […] Er hat hier erst mal eine Arbeitsstelle gesucht, Wohnung gesucht, geguckt, gefällt mir das und hat meine Mutter ein halbes Jahr später nachgeholt.

 

War dann von Anfang an klar, dass sie hier bleiben würden?

Eigentlich nicht. Man geht ja erst mal um zu sehen, was macht die Heimat, wie entwickelt sich das da, aber die haben hier so guten Anschluss gefunden und Griechenland war ja nicht weit weg. Das heißt wir sind jedes Jahr mit meinen Eltern nach Griechenland. Und er hat immer gedacht: „Wenn ich Rente bekomme, dann werde ich mir dort ein Häuschen bauen.“ Was sie auch getan haben während des Arbeitsprozesses, wir haben ein Haus auf Korfu. Und [er] hat gesagt: „Wenn ich dann mal Rentner bin, dann pendele ich, zwischen meinen Kindern [und Griechenland].“ […] Er fand dieses Deutschland und Griechenland, dieses hin und her pendeln, er fand das schön. Er hatte zwei Herzen in der Brust.

 

Aber ihm war auch bewusst, dass sie hier bleiben würden?

Ja, also ich schon. Bei meinen Geschwistern war das so unsicher, aber er wusste, dass ich meine Wurzeln hier ausgeschlagen habe. Darum hat er gesagt, werde [er] die Verbindung nie verlieren. Meine Mutter ja auch nicht. Die reist hin und her.

 

Haben ihre Eltern mal erzählt, wie sie Nachkriegsdeutschland erlebt haben?

Wie gesagt, es ging denen [in Griechenland] ja sehr schlecht. […] Die haben sich mit meinem Onkel zusammengesetzt und geschaut: „Wie Kommen wir weiter im Leben? In Griechenland können wir nicht bleiben.“ […] Mein Onkel ist nach Argentinien gegangen und mein Vater nach Deutschland, weil er schon die Presse verfolgt hat. Damals, 1959, war ja Deutschland im Aufbau und man suchte Arbeitskräfte. Die haben ja schon geworben ins Ausland. Da hat er gesagt: „Ich versuch einfach mein Glück.“

Und so hat er das ganz mutig in Angriff genommen und hat diesen Schritt gemacht. Sie hatten zwar gemischte Gefühle, sagt mein Vater, aber er ist nie enttäuscht worden. Er hat gesagt, er hat immer hilfsbereite Leute um sich gehabt, die sich gekümmert haben. Auch mit den Behördengängen.

Die Akzeptanz der Menschen mit Migrationshintergrund war früher größer als heute. Man hatte noch nicht die Erfahrung mit Migranten, ja da war ja noch nicht im Hintergrund „Oh Islamisten“, was das ja heute ist. Die waren damals noch sehr unbedarft. Deutschland brauchte Arbeitskräfte, also wurden die mit offenen Armen aufgenommen. Alles andere, diese Befindlichkeiten, sind erst später entstanden. Nun kam ja auch mein Vater aus einem christlichen Land. Griechenland kannte man ja. „Oh Griechenland…“ So ist es ja auch den Italienern und Spaniern ergangen. Und darum hatte der nie irgendwelche Probleme, dass er keine Hilfe bekommen hätte. [Meine Eltern] empfanden das als recht positiv. Mein Vater sagt zwar, es war erst schwierig mit der Sprache, aber das war ein pfiffiges Kerlchen, der hat sich das schnell angeeignet.

 

Gerade in einem Dorf wie –

Bad Münder. Ja, wir waren die ersten. In Bad Münder ist er nur gelandet, […] durch einen Griechen – das war der einzige Grieche in Bad Münder – der ihm gesagt hat: „Komm doch nach Bad Münder, da ist es beschaulich, auch für Deine Kinder. Mein Vater hat ja erstmal gesucht. Bleiben wir in Hannover, er hat ja in Hannover bei der Bundesbahn [gearbeitet]. Da hat der [andere Grieche] gesagt: „Guck dir doch mal Bad Münder an.

Meine jüngste Schwester ist zum Beispiel von einem griechischen Popen in Bad Münder getauft worden. Meine Schwester ist glaube ich 1962 geboren. Da kam das schon, dass schon ein bisschen mehre Leute kamen.

 

Haben Sie noch Erinnerungen, haben ihre Eltern noch Erinnerungen, an Nachkriegsdeutschland?

Die hatten also eigentlich gar nicht dieses Nachkriegsdeutschland im Kopf. Hatten die gar nicht. Die haben eigentlich nur gesehen, hier habe ich eine Möglichkeit mir etwas aufzubauen. Die sind eigentlich ganz unbedarft, auch politisch ganz unbedarft. Mein Vater war immer in der SPD, sozial. Und der war wirklich ganz unbedarft, hat gesagt: „Ich gucke mir das an“. […] In Argentinien war ja auch ein Regime, damals. Und da wollte er nicht hin, das war ihm zu weit. Wir hätten auch in Argentinien landen können. Er hat im letzten Moment gesagt – eigentlich wollten sie zusammen runter: „Nee, ich gehe nach Deutschland.“ Die [Deutschen] haben alles wieder im Griff und suchen Leute, das weiß ich ganz genau und es ist nicht so weit von der Heimat entfernt. Also er hat sich immer ein Hintertürchen offen gelassen – klappt es nicht, bin ich aber wieder da. Er hatte keine Chance [in Griechenland] und die Militärjunta hat ihm auch nicht gefallen […]. Gar nicht. Überhaupt nicht. Das war ein ganz freiheitsliebender Mensch. Der hat uns also auch ganz frei erzogen. […] Bei uns [haben] die Deutschen – sagt man so, „Die Deutschen“ – unsere Schulfreunde und so, […] immer ein offenes Haus gehabt. Bei uns sind sie alle gekommen. Das fanden sie alles toll.

 

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Situation von Migranten in Bad Münder verändert hat, von damals zu heute?

Ja schon, also es hat sich da schon was getan. Ich denke mal, dass zum größten Teil ja nicht nur Migranten aus der EU hier sind, sondern es gibt a auch Migranten, von der Elfenbeinküste, Rumänien.

 

Hier in Bad Münder?

Ja, ich habe hier einen eingestellt, einen politischen Flüchtling, […] den habe ich hier als Pflegehelfer. […] Der war hier mit einem Betreuer, und da ich ja auch die erste Vorsitzende des Migrationsrates bin, bin ich da sehr aufgeschlossen, wir haben hier einige mit Migrationshintergrund, weil ich das locker sehe. Für mich ist nur wichtig, dass sie auch die Sprache sprechen, weil wir mit Menschen zu tun haben. […] Wir haben zwar noch mit der Kriegsgeneration zu tun, […] aber der kommt ganz gut an. Der ist ganz schwarz. […] Ich hatte erst auch Befürchtungen, also habe ich ihm gesagt: „[…] Nicht böse sein, nicht wundern, wir haben mit Leuten aus der Kriegsgeneration zu tun. Du siehst ja nicht gerade aus wie Sven aus Schweden…“ Da musste er schon lachen. „Also keine Berührungsängste, wenn Menschen Angst haben, kannst du das gut machen mit einem Lächeln, mit Freundlichkeit, mit Sprechen.“ Und so haben wir das vier Wochen ausprobiert und es klappt besser als wir das gedacht haben. Sind alle verliebt in [ihn]. […]

Meine Eltern haben natürlich gesagt, dass aller Anfang schwer ist: Sich zu integrieren, Freundschaften zu knüpfen… Aber die haben so viel Hilfe hier erfahren, wahrscheinlich [hatten sie auch] den Pluspunkt mit den zwei kleinen griechischen Zwillingen. Das war eine Sensation und […] die haben alle geholfen. Meine Eltern […] sagen natürlich […] der Anfang [war] schwer mit der Sprache, aber sich hier integrieren, war nicht schwer. Der einzige Punkt war Sprache […]. Die haben sich irgendwie durchgewurschtelt, durch Freunde durch Hilfe.

Das hat sich natürlich verändert. Alleine weil, wenn man sich das mal anschaut… Wir haben viele Rumänen, wir haben viele Türken, was es hier früher nicht […] Das spiegelt sich halt wieder. Man hat noch mit Intoleranz hier zu kämpfen. Das ist ganz einfach so. Aber früher war das nicht so. Die waren da unbedarft. Das hat sich alles gewandelt. Leider, weil viele gar keine Ahnung haben… Es kommt darauf an in der wievielten Generation sie hier leben. Es gibt ja viele, so wie ich, die jetzt in der zweiten oder dritten Generation leben, die da gar kein Problem haben. Aber es gibt ja immer noch Menschen die zu reisen und Problem haben. Und das hat sich alles gewandelt. Irgendwie gekippt ist das. Ich kann gar nicht sagen, warum.

Vielleicht ja auch durch die Presse. Ich finde das immer schlimm, wenn die Presse da so ein falsches Bild von gibt. Ist ja nun eigentlich auch erwiesen, dass Menschen mit Migrationshintergrund nun auch vieles für die Gesellschaft tun. Das heißt die Menschen die arbeiten, Steuern zahlen, sich engagieren, ob es ehrenamtlich ist, aber das sehen die nicht. Die meisten sehen ja nur „Oh schon wieder vom Sozialamt… wir müssen zahlen.“ Es ist alles gekippt. Leider. […]

Der Unterschied besteht darin, dass Gastarbeiter, die Erfahrung habe ich gemacht, die aus Spanien, Italien, Griechenland kommen, das sind alles christliche Länder. Da haben die Leute gar nicht dagegen. Überhaupt nicht. Die gehen zum Beispiel hier in die Kirchen, sind katholisch – außer die Griechen, die sind griechisch orthodox. Aber zum Beispiel Spanier und … die habe sofort ein Integrationspotenzial. Die gehen hier in die Katholischen Kirchen, evangelischen Kirchen. Die sind schon drin im Geschehen. Die werden aufgenommen. Haben wir aber hier andere Menschen, Türken zum Beispiel. „Hoho, die sind ja alle Bombenleger…“ Weil eben vieles in der Vergangenheit passiert ist. Das Fremde schreckt ab. Da müssen wir Aufklärung machen. Das ja nun nicht alle der IS angehören oder fundamentalistisch angehaucht sind. Es gibt ja viele Türken, die sich auch integriert haben. Und dann gibt es wieder Menschen aus diesem Bereich, die bleiben unter sich. Und das ist das Problem. Und die muss man rausholen, so ein bisschen mehr einbringen. Die Europäer haben da kein Problem mit. Griechen, Spanier, Italiener… kein Problem. Wir hatten hier auch schon einen italienischen Schützenkönig in Bad Münder. Der hat eine italienische Eisdiele, war im Schützenverein. Aber Sie sehen keinen Türken. Wenige. In so einem kleinen Ort. Und die muss man rausholen und das ist eigentlich nur diese Menschengruppe, die man hat. Oder Rumänen, die Flüchtlinge,. Die sehen also nur „Oh, jetzt schon wieder, Asylantenheim, die, das…“ Die sehen ja nicht das Schicksal der Menschen dahinter. Ich will nicht alle verallgemeinern, aber…

Ich habe mich immer als Europäerin gesehen. Ich bin ja immer so ein Zugvogel gewesen. Bin hier gewesen, bin viel gereist…

Meine Wurzeln sind natürlich griechisch und da geht mir auch manchmal das Herz über, wenn ich in Griechenland bin, aber ansonsten bin ich schon Deutsche. Ich habe jetzt ja auch einen deutschen Pass. Nach über 54 Jahren habe ich die deutsche Staatsangehörigkeit, aber das Schöne ist ja auch dabei, dass Menschen die in der EU sind, ihren Pass behalten dürfen. Die EU Staaten dürfen ihren Pass behalten.

Schade, wenn man gut integrierte Türken hat. […] Wir haben ja viele die auch Deutsche werden. Aber ich bin ja für die Doppelte Staatsbürgerschaft. Wem schadet das? Niemanden. Ich entscheide mich doch wo ich bleibe. Ich will ja nur nicht meine Identität verlieren. Und das ist in vieler Leute Köpfe, wenn ich meinen Pass abgebe, bin ich es nicht mehr. Ist ja Quatsch…

 

Was bedeutet Griechenland denn ihren Kindern?

Da kommt Mama her. Und sie hoffen, dass Mama sich im alten Teil da runter bemüht, damit sie dann immer kommen können. „Können wir ja dann immer kommen, Mama“. Also die finden das schon toll und die sehen sich auch als etwas Besonderes. Also dies sehen nicht „Meine Mutter ist eine Frau mit Migrationshintergrund“. Ich habe den immer beigebracht: „Ihr müsst immer sagen, halb Griechen, halb Göttin – Land der Göttin“ […] „Ist gut Mama“ So einen Witz haben wir gemacht. Die haben da keine Probleme mit. Die sind hier zur Schule gegangen. Sie sehen zwar so ein bisschen aus wie ich, aber das ist eine gute Mischung. Meine Tochter hat studiert, die hat Abitur gemacht, die war in Australien, die ist auch so ein Wandervogel. […]

 

Was war es was ihnen am meisten bei der Integration geholfen hat?

Einfach die Hilfsbereitschaft der Menschen die hier gewohnt haben. Die waren einfach hilfsbereit. Die hatten keine Vorbehalte. Gar nicht. Wir sind mit offenen Armen aufgenommen wurden und das hat geholfen. Menschen die sich um uns bemüht habe, wie es eigentlich auch sein sollte. Das hat uns geholfen. […] Ich kenne keine Feindschaft oder >vorbehalte. Selbst in der Schule nicht. […] Nun ja, wir hatten es gut, wie waren die ersten kleinen, süßen Gastarbeiterkinder. Es sprechen mich ganz viele ältere Menschen, die so 80 sind, an: „Wir haben noch Bilder von ihnen.“ Die haben uns ja fotografiert, egal wo wir waren. Wir waren eine Sensation. Ich hatte hier eine, die hatte so viele Bilder von uns. Weil wir die Sensation in Bad Münder waren. Wir waren wohl ganz niedlich. Ich habe ja Bilder von uns Zwillingen, ganz dunkel, ganz niedlich. […] Und darum kennen uns auch alle Leute, also die Generation, die damals jung war. […] Ganz witzig. Ich komme manchmal „Sind sie die kleine Adamogo, die Zwillinge?“ Ich sage: „Ja“. „Welche denn davon?“ Ganz oft passiert mir das hier noch.

Also es ist immer ein positiver Aspekt bei mir, nie ein negativer. Nun […] sind meine Eltern auch mit offenen Armen aufgenommen worden. […] Natürlich sehe ich ja auch wie es anders läuft jetzt. Darum sage ich ja auch immer: „Kommt Kinder, haltet die Bälle flach. Es gibt auch Menschen, denen es schlecht geht. Die gar nicht wegwollen, aber müssen. Meine Eltern haben sich ja freiwillige entschieden, weil sie dort keine Zukunft haben. Aber es gibt ja auch Menschen, wo Krieg herrscht, wo es eben nicht geht. Wenn die dort bleiben werden sie verfolgt. Wollt ihr das?“ „Ja, aber…“ Da können sie nicht diskutieren. Es gibt eben Menschen, […] die nur starr geradeaus gucken. Ist so, leider. Auch heute noch. Das wird schlimmer.

 

 

Lena

Lena is German-born. She enjoys studying languages and traveling.

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